Quelle: Walliser Bote / georges tscherrig

Kultur | Die Kulturvereinigung Simplon-Süd rief zum Kapellenfest und zu einer Wanderung durch das Zwischbergental

Kapelle Maria Brunn - wo sich die Auswanderer den Segen erbaten

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ZWISCHBERGEN | Was im Tagesprogramm der Kulturvereinigung Simplon-Süd zunächst als gegensätzlich erschien, brachte die Vereinigung am Samstag mit dem Kapellenfest Maria Brunn und einer Wanderung unter der Fluglinie von Geo Chavez unter einen Hut.

Die Wege der Wallfahrt nach dem Marienheiligtum Maria Brunn waren den Teilnehmern freigestellt. Die Pilgerinnen und Pilger - 54 an der Zahl - erreichten ab Gabi über die Furggu oder ab Gondo im Publicar Bord und weiter zu Fuss die idyllisch von Lärchen umgebene Kapelle Maria Brunn. Der Chronist von Zwischbergen, Josef Squaratti selig, hat den Gnadenort beschrieben: «Es lohnt sich, dieses sorgfältig hergerichtete Kleinod, eingebettet in einer herrlichen und stillen Naturwelt, zu besuchen, um aus der Gnadenquelle Friede für sich selbst und Bereitschaft für die Liebe zu den Mitmenschen zu schöpfen.» Unterhalb der Kapelle fliesst eine kleine Quelle, und so nannte das Volk den Ort «Maria Brunn(en)», heute oft auch «Maria Bru». Es war Johann Peter Tscherrig von Zwischbergen, der hier das erste Kapellchen um das Jahr 1715 erbauen liess. Wie Pfarrer und Historiker Peter Arnold dazu berichtet, wirkte dieser Tscherrig von 1709 bis 1715 als Kaplan in Simplon, dann bis zu seinem Tode, am 2. September 1725, als Pfarrer daselbst. Ihm gehörte die Alphütte im nahe gelegenen Feywald und das Gütchen bei der heutigen Kapelle. Auf diese Weise legte er das Servitut, dass, wer immer der Eigentümer ist, den Unterhalt der Kapelle übernehmen muss. So hat der Erbauer in weiser Zuversicht einen Gnadenort geschaffen, dem das Volk seine Sorge und Ehre erweist. In den Jahren 1876, 1904 und 1912 wurde die Kapelle mithilfe von Spenden und in Fronarbeit an Sonnund Feiertagen vergrössert und renoviert. Die letzte grosse Renovation führte die Gemeinde Gondo 1983 aus.

Kapellenfest am Tage «Maria Heimsuchung»

Der frommen Tradition gehorchend, vereinten sich am Samstag um 11.00 Uhr die Pilgerinnen und Pilger, um lobsingend mit Pfarrer Heiss die Eucharistie zu feiern. Nach der Messfeier würdigte die Kulturvereinigung Simplon-Süd das Kapellenfest mit dem Ausschank eines Ehrentrunks. Klaus Arnold streifte kurz die Geschichte des Gnadenortes «Maria Brunn». Beim Marienheiligtum erbaten sich die Auswanderer den Schutz vor Antritt ihrer grossen Reise. Und es waren deren nicht wenige, die sich notgedrungen in weiter Ferne eine neue Heimat suchten. Allein im Jahre 1865 zogen aus Simplon 34 Personen nach Argentinien. In der fünften Generation sollen an die 300 Menschen in der ar gentinischen Provinz Santa Fé den Namen Zenklusen tragen, schrieb Pfarrer Ernest Zenklusen.

Lukas Escher sorgte für das leibliche Wohl

Im Orte Bord, im Restaurant Zwischbergen, eröffnete Pfarrer Heiss mit dem Tischgebet den «weltlichen» Teil der Pilgerfahrt. Hier walteten die Küche und das Team von Lukas Escher. Man war sich gewiss, die Speisen kamen aus nachhaltiger, ortsverbundener Produktion und der spriessende Gemüsegarten lag im Blickfeld der Geniesser. Mit Dank und Lob liessen Pilgerinnen und Pilger die Gastfreundschaft hinter sich. Nun stand getreu dem Tagesprogramm der Marsch durch das Zwischbergental - unter der Luftlinie Geo Chavez? - bevor. Nicht durch die Gondoschlucht, sondern durch das Tal von Zwischbergen nahm der Bezwinger der Alpen am 23. September 1910 seinen Flug, präzisierte Josef Zumkemi. Mit der «Ortsschau» Chavez? Fluglinie durch das Tal von Zwischbergen stellte der Präsident des Kulturvereins Simplon-Süd dem romantisierten und immer wieder gehörten Flug Chavez? durch die Gondoschlucht die geschichtliche Wahrheit gegenüber.