Kultur | Castagnata - ein grenzüberschreitendes Fest der Gemeinden Trontano und Simplon Dorf
Trontanesi und Simpiler feierten ihre Freundschaft

SIMPLON DORF | In der Gunst eines spätherbst lichen Bilderbuchtages bestärkten am Samstag die Gemeinden Simplon Dorf und Trontano ihre Freundschaft mit einer Castagnata.

Das Bekenntnis ihrer Freundschaft haben die beiden, von der Geschichte des Simplons geprägten Gemeinden - Trontano und Simplon Dorf - bereits in verschiedenen Treffen zur Tradition gefestigt. In diesem Sinn und Geist begegneten sich am Samstag auf dem Dorfplatz Simplon Dorf Trontanesi und Simpiler zur Castagnata. Im Mittelpunkt des Kastanienfestes standen die Maronibrater aus der Zwillingsgemeinde Trontano, die nach ihrer Art die «Cheschtene» über dem offenen Feuer mundgerecht zubereiteten. Auch die mitgebrachten Zutaten wie die Trauben und der Wein reiften auf ihrem Gemeindegebiet. Aus eigener Produktion stammten weitere Spezialitäten wie Kastanienbrot, Salami, Speck und vieles mehr. Im Gegenzug stellte auch Simplon Dorf seine Spezialitäten zu den Maroni. Die Geniesser lobten den Simpiler Käse, das Trockenfleisch, den Ziger und die Nidla.

Kastanienwälder und Weingärten

Wir kennen Trontano aus früheren Besuchen. Trontano umschliesst mit rund 50 Quadratkilometern ein recht grosses Gemeindeterritorium. In seinen weit verzweigten Dörfern und Siedlungen leben 1700 Menschen. Die Kastanienwälder und der Weinbau mit seinen typischen «Pärgelen» prägen als charakteristische Merkmale die Landschaft. Um den Anbau und die Vinifizierung der Traubenernte kümmern sich 14 ortsansässige Familien. Die Jahresproduktion liegt bei 60 000 Litern. Der mächtige uralte Triel in einem Weinkeller trägt die Jahreszahl 1768. Der Weinbau soll aber schon Jahrhunderte zuvor in Trontano seine Wurzeln geschlagen haben, erklärte uns ein weinproduzierender Trontaner. Dennoch, die landschaftlichen Vorzüge überdecken nicht die Sorgen, mit denen sich Tron-tano konfrontiert sieht. Für Gemeindepräsident Renzo Viscardi sind es die fehlenden Arbeitsplätze und die damit verbundene Gefahr der Abwanderung. Ein Mahnmal bietet das zur Gemeinde Trontano gehörende Dorf Marone, dem in den 60er-Jahren der letzte Einwohner den Rücken kehrte. Der einzige Ort, der noch lebt, sei der Friedhof, hört man von den Kennern des ausgestorbenen Dorfes sagen. Von Zeit zu Zeit kommen Angehörige ins menschenleere Dorf. Sie legen Blumen auf die Gräber ihrer in Marone verstorbenen Angehörigen. Die San Antonio Abate geweihte Kirche steht noch aufrecht, ist aber zugenagelt. Eine wohl zu späte Vorsichtsmassnahme, denn viel sakrales Gut entschwand bereits aus dem aufgegebenen Gotteshaus. Mehr Freude bereiten in Trontano die wiedererweckten Mühlen am Fluss der Graglia. Sie zeugen als museale Schauobjekte von der einstigen Bedeutung des Getreideanbaus in den Terrassen Trontanos zu einer Zeit als weder Bahn noch Strasse das Gemeindegebiet im Zeichen des Fortschritts erschlossen.

Simplon Dorf in der Rolle des Gastgebers

Das ganze Dorf Simplon war eingebunden, um Trontano mit ebenso viel Herzblut zu begegnen, wie die Simpiler es bei ihnen zu Hause gewohnt sind. In seiner Grussbotschaft würdigte Gemeindepräsident Martin Rittiner die grenzüberschreitende Freundschaft zu Trontano. Das Gelöbnis zur Freundschaft erneuerte auch Trontanos Gemeindepräsident Renzo Viscardi. Angefeuert von fröhlichem Gesang und Musik nahm die Castagnata unter der Regie von Josef Zumkemi ihren weiteren Lauf.