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Kulturzentrum Corwetsch ein Traum?

Bei der freiwilligen Alphüttensanierung kommen sich Jugendliche aus verschiedenen Nationen näher

W a l l i s. Alpe Corwetsch. 2024 m ü. M. Eine alte, teils zerfallene Alphütte. Neun freiwillige Sanierer aus aller Welt. Zwei Wochen Arbeit; kein Geld. Sprache: Englisch. Wir haben sie besucht.

Im Gabi bei Gondo führt eine kleine Strasse linker Hand von der alten Kaserne Richtung Alpjen. Nach einer viertelstündigen Fahrt mit dem Auto ist Endstation. Das Ziel ist jedoch noch keineswegs erreicht. Erst nach einstündigem Fussmarsch und einigem Schweissverlust erreicht man die Alphütte auf der Alpe Corwetsch.

Spanierin, Polin und Slowakin

Drei Mädchen sind eben dabei Löcher an der Aussenmauer der Steinhütte zu stopfen. Sie kommen aus Spanien, Polen und der Slowakei. Was verschlägt sie in die abgeschiedene Alpe Corwetsch, um gemeinsam eine Alphütte zu sanieren? Die Antwort bildet der am 10. Januar 2004 gegründete Verein «Workcamp Switzerland». Sein Ziel ist es, Projekte von allgemeinem Nutzen mit Hilfe von Freiwilligenarbeit zu unterstützen. Zusätzlich soll der Austausch zwischen Menschen verschiedener Kulturen gefördert werden.

Workcamps ausgebucht

Nach Aussagen der Geschäftsleiterin des «Workcamps Switzerland», Sophie Kaiser, sind Workcamps sehr beliebt. Dies ist auch daran zu erkennen, dass
die sechs Schweizer Workcamps von diesem Sommer alle ausgebucht waren. Eines dieser gemeinnützigen Projekte findet auf der 2024 m ü. M. gelegenen Alpe Corwetsch auf der Südseite des Simplongebietes statt.
Zusammen mit dem Verein Corwetsch, der bereits seit dem Jahr 2002 besteht, organisiert der Verein «Workcamp Switzerland» die Mithilfe der Sanierung einer Alphütte. Neun Jugendliche aus aller Welt verbringen hier zwei Wochen ihrer Ferien und lernen dabei Sitten und Bräuche der unterschiedlichen Kulturen kennen.

Kulturzentrum im kleinen Rahmen

Bis 1964 wurde die Alpe Corwetsch landwirtschaftlich genutzt. Seither sind die alten Steinhütten dem Zerfall ausgesetzt. Genau das will der Verein Corwetsch allerdings verhindern, indem er sie saniert und zu einfachen Unterkünften ausbaut. Der Verein wurde 2002 gegründet und begann noch im selben Jahr die Hütte in Corwetsch mit Hilfe von Schulklassen und Gruppen zu sanieren. Der Präsident des Vereins, Michael Grossenbacher, ist überzeugt, dass es mit Hilfe von Freiwilligen möglich ist, die Hütte fertig zu stellen. Aber auch zwei weitere Hütten warten darauf, saniert zu werden. Grossenbacher träumt von einer Art Kulturzentrum im kleinen Rahmen. Kulturelle Zusammenkünfte und Austausche sollen hier oben stattfinden können. Ob sich seine Vision erfüllen wird, bleibt vorerst noch eine Geldfrage. Nach Grossenbachers Schätzungen fehlen rund 800 000 bis eine Million Franken. Trotzdem ist Grossenbacher zuversichtlich. «Glücklicherweise ist das Projekt modular aufgebaut, das heisst, wir können auch etappenweise weiterarbeiten, bevor wir die gesamte Summe zusammen haben.» Ausserdem sei gestern ein neues Mitglied in den Verein Corwetsch eingetreten Simplon Dorf. Auch die Gemeinde Gondo, die Genossenschaft Alpjen und die Geteilschaft Alpjen zählen zu den Mitgliedern des Vereins.

Schnell in Italien

Bei unserer Ankunft fehlen zwei Mädchen. Sie befinden sich auf der Alpe Valescia in Italien, die mit einem 20-Minuten-Fussmarsch von der Alpe Corwetsch aus zu erreichen ist. Die Koreanerin und die Russin sind losgeschickt worden, um dort Milch und Käse zu holen. Bei ihrer Rückkehr erzählt mir die Koreanerin lachend, sie seien eben in Italien gewesen. Für sie unvorstellbar!

Grosse kulturelle Unterschiede?

Ob es denn keine Missverständnisse gegeben habe, bei so unterschiedlichen Kulturen, die so nah beieinander leben, möchten wir wissen. Die Koreanerin erzählt, die neun Freiwilligen seien alle sehr offen für fremde Kulturen. Die unentgeltliche Arbeit, die sie verrichten würden, verbinde sie zusätzlich. Abgesehen davon hätten die jungen Leute genug gemeinsam, alle seien beispielsweise sehr naturliebend. Kleine Missverständnisse hätte es schon gegeben, berichtet die 24-jährige Gruppenleiterin Nathalie Giger schmunzelnd: «Vor dem Fussmarsch auf die Alpe Corwetsch bemerkten wir, dass einer der Teilnehmer einen riesigen Koffer mit Rollrädern mittrug anstatt einen Rucksack. Einer wollte gar seinen Laptop mit hochschleppen». Giger lobte die Gruppen aber in den höchsten Tönen, alle Teilnehmer kämen miteinander sehr gut zurecht, obwohl sie sich am Montag zum ersten Mal gesehen hätten. Sie sei sehr stolz auf ihre Gruppe, fügte sie hinzu.   tc

Information

Diesen Sommer hat Workcamp Switzerland erstmals ein Sommerprogramm für Jugendliche zwischen 18 und 30 Jahren angeboten. Ab dem Jahr 2005 können sich Jugendliche dort auch für Workcamps im Ausland anmelden. Das Sommerprogramm 2005 wird ab dem März 2005 auf folgender Internetseite abrufbar sein: www.workcamp.ch
Informationen zu dem Verein Corwetsch findet man auf der Seite www.corwetsch.ch.