«Gondo will weiterleben
Feierliche Einweihung des Stockalperturm
G o n d o. Am Samstag wurde in Gondo die offizielle Eröffnung des Stockalperturms gefeiert. Er gehöre fortan allen als Symbol, auf dass wir uns immer erinnerten, sagte alt Bundesrat Adolf Ogi.
«Nie werde ich vergessen, was ich an diesem 14. Oktober 2000 gesehen habe und nie werde ich das Gespräch vergessen, das ich damals mit Gemeindepräsident Roland Squaratti geführt habe.» Alt Bundesrat Adolf Ogi gedachte in seiner Rede der Unwetterkatastrophe vom 14. Oktober 2000 in Gondo. Ein Inferno, bei dem 13 Menschen ihr Leben verloren und ein grosser Teil des Grenzdorfes zerstört wurde. «Noch während der grosse Regen niederging, kamen in der ganzen Schweiz Gefühle der Solidarität auf. Begriffe wie Nachbar, Mitbürger und Eidgenossenschaft bekamen einen neuen Sinn», sagte Adolf Ogi. Seinerzeit noch Bundespräsident, war er als einer der Ersten vor Ort und spendete Trost. Und in den Jahren darauf setzte sich Adolf Ogi als Präsident der Stiftung «Stockalperturm Gondo» massgeblich für den Wiederaufbau ein. «Heute sind wir nun hier, um zu danken und neue Hoffnung zu schöpfen», so Ogi. Wie gross das Interesse und die Freude am Wiederaufbau des Stockalperturms tatsächlich ist, zeigte sich allein daran, dass zur Einweihungsfeier fast alle erschienen waren, die im Wallis Amt und Würden bekleiden. Umrahmt wurde die von OK-Präsident Gabriel Jordan und seinem Team organisierte Einweihungsfeier von der Musikgesellschaft «Bleiken» aus Simplon Dorf.
Der Dank Gondos
Gemeindepräsident Alex Squaratti dankte in
seiner Ansprache all den Menschen, die Gondo derart grosszügig unterstützt
hätten. «Das Ende unserer Dorfschaft war nach diesem Schicksalsschlag fast schon
besiegelt», sagte Alex Squaratti. Nun aber sei er zuversichtlich, dass mit der
Inbetriebnahme des neuen Turms auch wieder mehr Leben in Gondo einkehren werde.
«Denn Gondo will weiterleben, wenn auch anders als bisher gewohnt», so der
Gemeindepräsident.
Den grossen Willen der Bevölkerung von Gondo lobte auch Bundespräsidentin
Micheline Calmy-Rey. Die Bundespräsidentin war zwar nicht persönlich in Gondo
vertreten, doch hatte sie eine Grussbotschaft geschickt, die WB-Chefredaktor
Pius Rieder vorlas.
Ein Symbol der Solidarität
«Gondo, der Grenzort, steht nur geografisch am Rand der Schweiz. Das Dorf, das seinen schweren Schicksalsschlag überwunden hat, verdient unsere ganze Bewunderung und Anerkennung. Es ist ein Symbol für die Solidarität und den Glauben an die Zukunft unserer Willensnation Schweiz», so Micheline Calmy-Rey. Und Staatsrat Jean-Michel Cina sagte: «Der Stockalperturm soll ein Zeichen dafür sein, dass vermeintliche Randregionen wirtschaftlich nicht im Abseits stehen müssen.» Mit einem gelungenen Konzept, einer vorbildlichen Architekturleistung und der Unterstützung der Gondoneser werde der Turm ein Zeichen des Neubeginns sein, aber auch die Rückbesinnung auf alte Traditionen, so Cina.
Finanzierung gesichert
«Wir können hier und heute mit Stolz verkünden,
dass das gesamte Bauwerk finanziert ist», sagte Roland Squaratti,
Stiftungsratsmitglied und damaliger Gemeindepräsident von Gondo, an der
Pressekonferenz vom Samstagmorgen. Rund 7,6 Millionen Franken kostete der
Wiederaufbau. Abzüglich der Spenden in der Grössenordnung von etwas mehr als 7,5
Millionen Franken verbleibt ein Restbetrag von knapp 61
Die neue Turmherrin
Damit der fünfstöckige Turm nachhaltig genutzt
und das Dorf touristisch belebt werden kann, wurde er zu einem Seminar- und
Eventhotel umgebaut. Die Leitung des Ganzjahresbetriebes wurde Monika Holzegger,
einer erfahrenen und dynamischen Wirtschaftsfrau, anvertraut. Zusammen mit sechs
Mitarbeiterinnen kümmert sie sich fortan um das Wohl ihrer Gäste. Was den
Geschäftserfolg anbelangt, sei sie sehr zuversichtlich, erklärte uns die
Pächterin. Gleich mehrere Firmen hätten sich bereits für Seminare angemeldet.
Der Businessplan sieht einen Umsatz von einer halben Million Franken vor. Im
ersten Jahr dürfte der Betrieb freilich noch von der landesweiten Medienpräsenz
profitieren. Die Folgejahre aber werden zeigen, ob das Seminar- und Eventhotel
in Gondo tatsächlich neues Leben wird einbringen können. Pfarrer Josef Sarbach,
der den Turm unter den Machtschutz Gottes stellte, brachte es auf den
Punkt: «Hoffen wir, dass der Turm hier an der Kurve die Kurve kriegen wird und
mit ihm die ganze Gemeinde Gondo.»