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Simplon» in ganz Europa bekannt
Generalversammlung der Kulturvereinigung Simplon-Süd
S i m p l o n
Vereinspräsident Josef Zumkemi hatte leichtes Spiel, um nach den obligaten geschäftlichen Traktanden zu Josef Squaratti überzuleiten. In der Tat, der begnadete Dichter und Lokalhistoriker hat mit seinen Lebensweisheiten und Erinnerungen unter dem Buchtitel «Mein Zwischbergen» zumindest einen regionalen Hit gelandet. Hellhörig folgten denn auch die Kulturfreunde seiner Vorlesung. Ob er noch weitere Weisheiten und Geschichten für eine nächste Buchausgabe auf Lager habe, wollten wir von ihm wissen. Der 80-jährige und immer noch ledige Landwirt und Dichter war nicht verlegen, «über die Sexualität will ich schreiben». Dem Thema und dessen sind wir uns sicher würde es nicht an Interesse mangeln. Dies schon deshalb, weil das heikle Thema durch den «hintersten» Bewohner Zwischbergens aktualisiert würde. Zu einem wissenschaftlichen und laufenden Werk führte Vorstandsmitglied Klaus Arnold mit der bevorstehenden Ausgabe von Erich Jordans «Flur- und Ortsnamen». Seine Arbeit sei nach 15 Jahren zum Druck herangereift. Was Erich Jordan aus seinem Wissen und seinen Forschungen zusammengetragen hat, sei ein «Riesenwerk» auf rund 600 Seiten, gestand Klaus Arnold. Autor Gabriel Jordan rechnet, dass die «Flur- und Ortsnamen» in einem Jahr, Herbst 2006, in gedruckter Form vorliegen.
Simplon Dorf Aufwertung des Dorfplatzes
Simplon Dorf hütet grosse kulturelle Werte und ist sich
seiner Verantwortung bewusst, erklärte Werner Zenklusen. In diesem
Zusammenhang sieht der Gemeindepräsident von Simplon Dorf den Entscheid
der Stimmberechtigten, die sich mit eindeutigem Mehr für das Projekt einer
unterirdischen Parkgarage aussprachen. Das Vorhaben schliesst den Abbruch
des baufälligen, aus dem Jahr 1712 stammenden Wohnhauses am Dorfplatz mit
ein. Wie Klaus Anderegg in seinem Inventar dazu berichtet, erlaubte sich
ein Dorfpotentat über die Köpfe der Gemeindebürger hinweg, hier am
Dorfplatz sein «besseres» Haus zu stellen. Das nun abzureissende Objekt
gehörte zum «immensen Besitztum» des Hauptmanns Josef Ignaz Arnold. Wie
Gemeindepräsident Zenklusen präzisierte, handelt es sich um ein
anspruchsvolles Projekt, das mit der Aufwertung des Dorfplatzes auch der
Wahrung der bauhistorisch wertvollen Substanz entspricht.
Wo sind die Votivbilder der Bleikenkapelle?
Alfred Escher, alt Landeshauptmann, stellte der Versammlung
die Frage nach dem Verbleib der Votivbilder, die einst in der
Bleikenkapelle hingen. Er hätte diese für den Volksglauben interessanten
Bilder noch aus seinen jungen Jahren in Erinnerung. In seiner Publikation
zur «Geschichte der Pfarrei Simplon» berichtet Pfarrer Ernst Zenklusen von
diesen Bildern: «Früher hat man auch für die Gebetserhörungen so genannte
Exvoto in der Bleikenkapelle angebracht. So etwa Bilder und allerlei
Figuren in Wachs oder Holz: Hände, Füsse, Herze usw. Ich habe als Bub die
noch alle gesehen. Anlässlich der durchgeführten Erneuerung an der Kapelle
hat der Geist unserer Zeit das alles vernichtet.» Da müssen wir die
Befürchtungen mit Pfarrer Ernst Zenklusen wohl teilen und die Exvoto als
unwiederbringbares Kulturgut abschreiben.
«Simplon» ein Trumpf in der Werbung
An den «Zeitgeist», dem sich alte Werte oft allzu schnell
unterordnen, knüpfte Alfred
Escher in einem weiteren Votum. Er erinnerte an die grenzüberschreitende Bedeutung der Bezeichnung «Simplon». Es sei unverständlich, dass die Touristiker auf die werbeträchtige und europaweit bekannte Bezeichnung «Simplon» verzichten. Stellvertretend würden unserem touristischen Gebiet schwerfällige Namen aufgedrückt. Der missglückte Aufbau der Destination Aletsch mag die These Eschers stützen. Escher steht mit seiner Kritik nicht alleine. In einer früheren Stellungnahme bedauerte Klaus Aerni, geistiger Vater des Stockalperweges und Ehrenburger von Gondo, die Verkennung der historischen und touristischen Schlagkraft des Begriffs «Simplon». Die geografische Bezeichnung Simplon stehe stellvertretend für eine ganze Region, für das ganze (obere) Wallis. Andernorts bemühe sich die Werbebranche, die Einzelinteressen einem schlagkräftigen Begriff unterzuordnen, während hier zu Lande die touristischen und lokalpolitischen Interessen in alten oder neu kreierten Bezeichnungen ihren Niederschlag finden. Die kritischen Worte fanden im anschliessenden Alpenbrunch ihren Nachhall. |