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Wertvoller Namensschatz gehievt

Buchvernissage «Orts- und Flurnamen Simplon Süd»

S i m p l o n. «Orts- und Flurnamen Simplon Süd», so lautet der Titel des neusten Werkes von Erich Jordan. Der Autor hievte in unzähligen Arbeitsstunden einen wertvollen Namensschatz ans Tageslicht, auf dass er nicht mehr in Vergessenheit gerate.

Die Buchvernissage fand am Samstagmorgen im Rahmen der 17. Generalversammlung der Kulturvereinigung Simplon-Süd in der Alten Kaserne, unterhalb Gabi, statt. Präsident Josef Zumkemi und seine Vorstandskollegen führten rasant durch den offiziellen Teil der Generalversammlung, damit für die Vernissage gebührend Zeit verbliebe. Damit bewiesen sie, dass die mittlerweile 235 Mitglieder zählende Kulturvereinigung Simplon-Süd nicht nur über Kultur redet, sondern und vor allem Kulturgut produziert und präsentiert. Zum einen bot die Versammlung dem Maler Francis Seiler Gelegenheit, seine Bilder zu präsentieren. Erst vor drei Jahren begann er mit dem Malen und kann doch schon eine stattliche Anzahl Werke, vornehmlich Landschaftsbilder, vorweisen. Seine Ausstellung stiess auf grosses Interesse. Zum anderen stand vor allem aber das Buch von Erich Jordan im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Lange Schwangerschaft

Im Zusammenhang mit der Entstehung dieses Werkes wurde am Samstag gleich mehrfach der Begriff «Schwangerschaft» genannt. Die dauerte nämlich schrecklich lange. Ganze 15 Jahre verbrachte der Autor mit dem Sammeln und Auflisten der Orts- und Flurnamen Simplon Süd. Nun indes ist die Entbindung erfolgt, das Kind gebunden und es darf sich sehen lassen: Es wiegt 2,4 Kilogramm, ist 24 x 33 x 4 cm gross und hat im Gegensatz zu einem Neugeborenen im herkömmlichen Sinne vom ersten Tag an einiges zu erzählen. Das Buch beinhaltet über 3500 Orts- und Flurnamen, die auf 430 Textseiten sowie auf 125 mit Karten und Fotografien reich illustrierten Seiten präsentiert werden.

Hopschul statt Frosch

Renato Arnold hielt vor dem zahlreich erschienenen Publikum die Laudatio auf den Autor. «Es liegt in der Natur des Menschen, dass er allem und jedem einen Namen gibt», sagte Renato Arnold. Und es liegt freilich auch in der Natur des Menschen, dass er vergisst. Alte Namen etwa. «Ich finde es schade, wenn ich Kinder heutzutage Frosch statt Hopschul, Eidägsa statt Lattuächji oder Schmätterling statt Pfiifoltra sagen höre», so Renato Arnold. Und ebenso ergehe es den Orts- und Flurnamen. «Sie geraten in Vergessenheit und man kennt ihre Bedeutung nicht mehr.» Menschen wie Erich Jordan ist es freilich zu verdanken, dass nicht alles in Vergessenheit gerät, was einst noch zum Allgemeinwissen gehörte. Jordan veröffentlichte im Jahre 1985 im Alter von 28 Jahren sein erstes Buch mit dem Titel «Einheimische erzählen aus Volkstum und Überlieferung von Simpeln und Zwischbergen». «In diesem Buch wurden auch schon etliche Orts- und Flurnamen genannt. Das brachte mich letzten Endes auf die Idee, dass man diese Namen vor dem Vergessenwerden bewahren sollte», erklärte Erich Jordan.

Sisyphusarbeit

In den Folgejahren begann er mit dem Sammeln. Es entstanden Kontakte zu fast 100 Gewährspersonen. Eine Sisyphusarbeit könnte man meinen, allein, der Felsblock entglitt Erich Jordan nicht. Und so präsentiert sich nun also ein Werk, dass gleich zwei Fliegen mit einer Buchklappe schlägt: Zum einen sind damit die historischen Orts- und Flurnamen Simplon Süd für die Nachwelt gesichert und zum anderen natürlich auch die mit den Namen verbundenen Örtlichkeiten. Unsere Gross- und Urgrossväter mögen noch jeden einzelnen Flecken Erde ihrer Heimat namentlich gekannt haben. Heute jedoch, findet mancher ohne Navigationssystem kaum mehr die eigene Garage.  rob